Diplom-Soziologe
Praxis für Gruppenanalyse

Was ist Gruppenanalyse?

Gruppenanalyse ist eine Theorie und Praxis der Arbeit mit und in Gruppen, die von der Erfahrung ausgeht, dass Menschen zu Gruppen gehören und zu Gruppen gehören wollen, und dass auf jede Gefährdung dieser Zugehörigkeit – sei es von außerhalb dieser Gruppe oder auch aus der Gruppe selbst – spezifische, unbewusste Reaktionen sowohl des Individuums als auch seiner Gruppe folgen. Diesen Reaktionen unterliegen alle Prozesse in Gruppen, ob diese sich als Arbeitsgruppe in einer Klinik verstehen oder als Belegschaft einer Firma, ob sie als Patientengruppe zusammen gekommen sind oder als Zuhörer eines Vortrags.

Diese Reaktionen helfen, die Angst zu verringern oder zu verdecken, die entsteht, wenn eine Gruppe sich gefährdet fühlt oder wenn ein Individuum fürchtet, von der Gruppe ausgeschlossen zu werden. Sie sind also zunächst wichtig und nützlich. Allerdings wirken sie sich auch schädlich aus: sie schränken die Kreativität ein, verhindern Entwicklungsprozesse, sie bringen Gruppen dazu, in einem starren Freund-Feind-Schema stecken zu bleiben, sie verleiten dazu, Sündenböcke zu suchen. In einem solchen Zustand verliert die Gruppe ihre Arbeitsaufgabe aus den Augen, es herrschen Anspannung und Unlust, die Mitglieder bekämpfen sich, statt sich anerkennen und fördern zu können.

Die Arbeit in einem gruppenanalytischen Setting ermöglicht den Teilnehmern, die spezifischen, unbewussten Reaktionen ihrer Gruppe zu erkennen, zu erfahren, wie jeder Einzelne und die Gruppe sich damit arrangiert und wie dadurch die Arbeitsfähigkeit der Gruppe eingeschränkt wird. Die Gruppe kann in der gemeinsamen Arbeit an alltäglichen Aufgaben, an Projekten oder auch am Gruppenprozess selbst herausfinden, wie sie durch gemeinsame Anstrengung die Potentiale der Gruppe wieder nutzen kann.